Stoffspielereien November 2015: Folklore

OLYMPUS DIGITAL CAMERA„Die Kopfbedeckung ist wohl überall auf der Welt der Teil der Kleidung, in dem sich das ausdrückt, was der Mensch eigentlich sagen und darstellen will. ( … ) Immer das, was der Mensch auf dem Kopf trägt, verkündet Stand, Leben, Weltanschauung, politische Haltung und einiges mehr. Vielleicht stehen deshalb Hüte und Hauben in den Kleiderliste oft ganz vorn, damit ausgedrückt ist: So war oder so ist der Mensch, der hier geheiratet oder gestorben ist.“
(Der Schwabe und sein Häs, S. 47)

OLYMPUS DIGITAL CAMERAMit Folklore, dem Thema der Stoffspielereien im Novmber – damit konnte ich im ersten Moment gar nichts anfangen. Zuerst musste ich mir klarwerden, was Folklore überhaupt ist.

„Folklore (engl. folk „Volk“ und lore „Überlieferung“ oder „Wissen“) ist der sichtbare Ausdruck sämtlicher Traditionen einer ethnischen Gemeinschaft.  …
Der Begriff wird … als Sammelbegriff für alle meist regional gebundenen Erscheinungsformen gebraucht, mit denen sich die Volkskunde beschäftigt. Dazu gehören neben der Volksmusik auch Bräuche, Sagen, Märchen, Fabeln, Legenden, Sprichwörter, Trachten, Volkstänze, Reime, Schwänke, Volkstheater, Volkslieder, Balladen, Witze, Zaubersprüche oder charakteristische handwerkliche Techniken. (…)
Trachten sind ein wichtiger Bestandteil der Folklore eines Volkes“
(wikipedia.de)

Und so überlegte ich eine Weile, was ich zu Trachten oder charakteristischen handwerklichen Techniken beitragen beitragen könnte. Und wie so oft kam mir beim Durchforschen meiner textilen Schätze eine Idee.

In unserem Haus gibt es einen alten Schrank, der die Kleidung meiner Vorfahren, schwäbische evangelische Bauerinnen und Bauern, beherbergt.

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OLYMPUS DIGITAL CAMERANeben den schwäbischen Bauerntrachten und den „Blauhemden“ gibt es auch das passende Zubehör: Schürzen, Tücher, Hemden und leider nur noch eine Haube. Dazu ist noch zu sagen, dass der Schwabe nicht unbedingt von Tracht spricht, sondern gern von „Häs“, in das er sich „einschlifft“, das er also anzieht. Und damit das alles lebendiger wird, habe ich die Tracht auch angezogen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABei dieser Haube handelt es sich um eine sogenannte Bändelhaube.

Die Bändelhaube kam so um das Jahr 1880 in Mode. Man geht von hauptsächlich drei Formen aus: die normale Kirchenhaube wurde ab der Konfirmation jeden Sonntag zum Kirchgang getragen. War ein Familienmitglied gestorben, trug man im Trauerjahr die Trauerhaube. In der Regel nahm man zwei Mal im Jahr am Abendmahl teil. Dazu wurde die Beichthaube getragen (nach Merklinger Trachtenbuch, S. 55)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA„Bei den Landfrauen der damaligen Zeit bedeutete das Tragen einer bestimmten Haube zwar nicht den Ausdruck von Weltanschauung oder Politik… . Aber eine Signalwirkung innerhalb des engeren Lebensbereiches kam ihr sehr wohl zu: Mit ihrer Haube konnte die Bäuerin sagen, wo sie ‚her war‘ und was sie vorhatte, ob sie ledig oder verheiratet, ob sie modern oder neuen Formen aufgeschlossen oder noch beim ‚bewährten‘ alten Stil geblieben war – immerhin eine umfassende Aussage. ‚Großmutter, du hosch 12 Hauba ond jede hoißt ebbes anders – ond i soll et emol oin Hut aufsetza?‘ sagte einst eine Enkelin zu ihrer Altvorderen, als es für sie darum ging, einen Hut anzuschaffen, was schwere Kämpfe auf der ganzen Linie hervorgerufen hatte, mindestens in evangelischen Orten. ‚Ein Hut ist herrisch‘, sagte die Ahne, und damit war das Thema erledigt.“
(aus: Der Schwabe und sein Häs, S. 47+48)

OLYMPUS DIGITAL CAMERADurch die Größe der Zacken an den Bändern und der Wahl des Stoffes wurde der „Haubenzweck“ definiert.
Je kleiner die Zacken, deso feierlicher. Also hatte die Trauerhaube sehr kleine Zacken. Die normale Kirchenhaube relativ große Zacken.
Aus Atlasbändern war die Sonntagshaube, aus schwarzem Leinentuch waren die Bänder bei der Beichthaube. Viele Bändelhauben hatten hinten noch „Rollen“ und waren spitzig. Normale Kirchenhauben hatten einen sogenannten „Berelesfleck“: hinten war eine Stelle mit Perlen, Blättern,… geschmückt.

Meine Haube ist sehr klein und schlicht, besteht aus Atlasbändern, hat sehr kleine Zacken an den Bänderrändern und ist sehr gebraucht.

DSC_0686 bVon meiner Großmutter (1905-1938) können diese Gebrauchsspuren kaum stammen, obwohl sie noch Tracht trug und auch 1930 in Tracht heiratete. Wahrscheinlich stammt die Haube von meiner aus Gussenstadt bei Heidenheim (schwäbische Alb) stammenden Urgroßmutter (1862-1932), die 1888 in unser Dorf kam.
Schwäbische Bauerntrachten wurden von ein paar wenigen Frauen noch bis in die 1980er/1990er Jahre getragen, die Hauben bis in die 1960er Jahre.

Durch die starken Gebrauchsspuren gehe ich davon aus, dass sie als normale Kirchenhaube getragen wurde. Die langen Bänder sind teilweise ein- und abgerissen, bei dieser Länge auch kein Wunder.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnd weil ich vor diesem kleinen Nähkunstwek schon als Mädchen staunend stand, beschloss ich, diese Haube in meiner Weise und mit meinen Möglichkeiten nachzunähen. Früher gab es dafür extra Haubennäherinnen. Da auch Hauben immer der Mode unterworfen waren, geht es mir nicht um eine 1:1 Kopie, sondern um eine Haube, wie ich sie mit den heutigen Mitteln nähen kann.

Zuerst kräuselte ich einen Nesselstoff,

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setzte ihn an einen passenden Stoff an und kam so zu meiner Innenhaube:

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Leider bekam ich nirgens schwarze Atlasbänder mit den charakteristischen Zacken und dem typischen Muster. Ein griffiger „Trachtenstoff/Taft“ musste dann herhalten. Die Zacken ersetze ich durch eine zarte schwarze Spitze, für den vorderen Rand nahm ich ein Ripsband (aus was dies im Original besteht weiß ich nicht).

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Innen- und Außenhaube setzte ich von Hand zusammen. Innen ist ein schwarzes schmales Ripsband, das ich auch von Hand annähte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnd ein erster Vergleich:

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie langen Bänder forderten mich mich dann heraus: ich wollte nicht beide Seiten der Bänder mit Spitze benähen, da hätte ich fast 20 m Spitze gebraucht (und der Schwabe ist ja sparsam…). Da nahm ich mir die Freiheit und umnähte die Kanten mit einem Rollsaum. Die Bänder sind 11 cm breit. Es werden zwei lange Bänder à 230 cm und zwei kurze à 115 cm an die Haube genäht, dazu kommen noch zwei schmale Bindebänder.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIm Gesamten sieht meine Haube dann so aus, die Bänder sollen bis zum Samtsaum der Tracht reichen:

OLYMPUS DIGITAL CAMERADurch die Spitze wirkt sie etwas anders. Auch der matte Stoff verändert das Aussehen. Zudem gibr der Atlas mehr Stand.

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Innen ist der Unterschied nicht so groß:

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Und aufgesetzt auch ein direkter Vergleich:

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Eigentlich gehen die Bindebänder bei einer Bändelhaube über die Ohren. Entweder ist mein Kopf für die Haube zu groß oder das ist bei meiner Haube anders. Einen Dutt muss man auch tragen, sonst hält die Haube nicht. Im Original sind auch zwei Bändel eingearbeitet, die den sogenannten „Knoten“ (=Dutt) festhalten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAuch wenn ich dieses Mal für die Stoffspielereien nichts für den Alltag genäht habe, bin ich ganz glücklich darüber, mich mit dem Häs meiner Urgroßmutter beschäftigt zu haben. Die nachgenähte Haube werde ich wohl nie aufziehen – obwohl mein Mann fragte: Und ziehst du die jetzt sonntags in die Kirche an?

Das Nähen machte mir große Freude. Das Ergebnis lässt mich die Arbeit der früherien Näherinnen sehr hoch schätzen. Ich könnte mir auch gut vorstellen, ein Kleid im Stil und mit einem solchen Stoff zu nähen – irgendwo wird es  einen solchen Stoff schon geben. Denn die Dirndl, die zur Zeit auch bei uns als „Tracht“ getragen werden, gehören nicht in unsere Gegend.

Zum Abschluss meiner Trachtenrückschau fand ich ein Gedicht ganz passend, das in einem der drei Bücher stand, die ich gelesen habe, fand – ich hoffe, Ihr versteht den Dialekt:

Des isch a Bäure vom alta Schtand,
des sieht ma sicher an dem G’wand.
Dui Mode hot ma g’het vor so viel Johr
ond wird vielleicht au wieder wohr.
Ganz oifach ond ganz schlicht
hot ma se eba früher g’richt.
Schwarze Strempf ond ganze Schuah.
en Rock, ein Jacka, en Schuz d’rzua.
Uff des hot ma früh’r ebbas g’halta
ond heit laßt ma’s em Kaschta veralta.
A Kirchahaub, a langer Zopf,
des war a Zierde für da Kopf.
A goldna Brosch, a Blättleskett
hot früh’r a jedes Mädle g’het.

(Merklinger Trachtenbuch S. 51)

Lucy (Nahtzugabe) sammelt heute bei den Stoffspielereien alles zum Thema „Foklore“ . Vielen Dank fürs Sammeln und Zusammentragen. Ich bin schon gespannt, welch ganz unterschiedlichen Dinge sich hier sammeln.

 

Liebe Grüße und einen wunderbaren 1. Advent

Ines

 

verwendetete Literatur

a) Der Schwabe und sein Häs, Angelika Bischoff-Luithlen, Konrad Theiss Verlag, 1982
b) Merklinger Trachtenbuch, Interessengemeinschaft für Geschichte und Brauchtum in Merklingen, Merklingen 2004
c) Deutsche Bauerntrachten, Hans Retzlaff, Atlantis Verlag/Berlin, 1934

 

 

 

 

 

 

 

 

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26 Gedanken zu „Stoffspielereien November 2015: Folklore

  1. Meermädchens Mama

    Liebe Ines,
    das ist ein interessanter Bericht, der so viel Ruhe ausstrahlt. Es tat mir jetzt richtig gut, so zwischen all den weihnachtstrubeligen Beiträgen, die alle ein wenig Stress ausstrahlen, Deiner Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, Deinen Vorfahren, der damaligen Mode und den traditionellen Gebräuchen zu lauschen. Tolle Arbeit, die Haube!
    Liebe Grüße von Christina

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  2. frifris

    Ich habe es noch nicht alles ganz genau gelesen, will aber jetzt schon mal mitteilen, wie großartig ich dein Projekt finde! Ich liebe das Thema Tracht, weil da so viel Historisches drinsteckt, so viel Lebensalltag und Lebensanschauung – und es ist so unglaublich variantenreich. In der Gegend aus der ich stamme, hat fast jedes Dorf eine andere Ausprägung der Tracht und ich nehme an bei Euch ist es nicht viel anders. Unendlich faszinierend!
    Die Haube sieht toll aus, wunderbar, dass du ein Original zur Vorlage nehmen konntest. Besonders amüsiert habe ich mich natürlich über die Sparsamkeit bezüglich der Spitze und die Aussage „ein Hut ist herrisch“ finde ich auch ganz wunderbar.

    „Hut ab“ 😉 vor deiner Leistung. Ich finde das sieht auch angezogen ganz toll aus. Schade, dass solche Kleidung inzwischen nur noch in Museen getragen wird (und vielleicht noch im Trachtenverein).
    Übrigens sehr passend natürlich Haustüre und Speicher (wenn es die Speichertreppe ist), in sepia fotografiert würde der Zeitensprung vermutlich gar nicht so sehr auffallen 🙂
    LG, frifris

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    1. naehzimmerplaudereien Autor

      Danke, über solche Gedanken freue ich mich riesig! Das beste an der Haubennäherei war die Beschäftigung mit der damaligen Kleidung, den Hauben,…. Die Bücher waren so klasse.
      Ja, die Haustüre und die Speichertreppe wurden von meinern Urgroßeltern gebaut bzw. eingebaut (die Treppe ist vermutlich noch viel älter..). Danke und lieber Gruß
      Ines

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  3. Lucy

    Vielen Dank für diesen Beitrag, wenn Trachten und alte Kleidung zu uns „spricht“, finde ich das immer besonders interessant. Hat sich denn die Tracht der Evangelischen von der der Katholischen unterschieden? In dem Trachtenbuch, aus dem du zitierst, ist ja von einer Beichthaube die Rede, das wäre ja nur für die Katholikinnen relevant. Gab es in deiner Gegend katholische und evangelische Dörfer? So kenne ich das aus einigen Landstrichen Frankens.
    Es ist schade, dass sich manche Elemente der Trachten heute gar nicht mehr nacharbeiten lassen, weil die Materialien nicht mehr hergestellt werden. Da muss man wahrscheinlich lange suchen, um noch irgendwo alte Bestände von Zackenborten oder Atlasbändern zu finden. Die Anmutung der alten Haube hast du in der Nachempfindung aber trotzdem getroffen.

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    1. naehzimmerplaudereien Autor

      Hier in der Gegend war man v.a. evangelisch. Die katholische Tracht war an manchen Orten etwas farbenfroher und nicht so schlicht. In einem Buch stand allerdings, dass sich die Konfessionen ähnlicher in der Kleidung waren, wie allgemein angenommen wird.
      Die Beichthaube ist evangelisch. Bei den Evanglischen gibt es auch die Beichte (nur ist dies meist unbekannt). Am Abendmahl wurde vorher gebeichtet, daher passt dies schon.
      Und dass die Materialsuche so schwierig ist, hätte ich nicht gedacht. Das markante an den Hauben – die Zacken an den Rändern – gibt es leider nur, wenn man solche Atlasbänder hat. Jemand meinte letztens zu mir, ich solle nach „Brautatlas“ in schwarz Ausschau halten.
      LG Ines

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  4. made with Blümchen

    Liebe Ines, ich bin ganz begeistert, dass in Deine Haus ein alter Schrank steht, in dem sich solche alten Schätze befinden! Die noch nie entsorgt wurden, und die Dir zu allem Überfluss auch noch passen! Du triffst komplett meinen nostalgischen Zug. Schön, dass Du Dir eine neue Haube dazu genäht hast. Hier in der Steiermark wird – wie in den meisten österreichischen Bundesländern und im Gegensatz zur Bundeshauptstadt Wien – viel Tracht getragen. Sie gilt als festliches Gewand, so sehr, dass meine kleine Tochter darauf besteht, zu besonderen Anlässen ein Dirndl anzuziehen (was für ein Wiener Kind undenkbar wäre). Ich wünsch Dir, dass Du vielleicht doch auch einmal eine Gelegenheit findest, diese schöne alte Tracht auszuführen.
    Liebe Größe von der Gabi (die total sauer ist, dass ihr WordPress-Server ausgerechnet heute beschlossen hat zu streiken und sie ihren extra früh vorbereiteten Beitrag nicht online stellen lässt… grummel)

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    1. naehzimmerplaudereien Autor

      Liebe Gabi,
      das sieht nur so aus, dass mir die Tracht passt. Ich musste vorne ein wenig schummeln und die Schürze bekam ich auch nicht zu. Die graue Jacke (so ca. Gr. 30) halte ich deshalb auch vor mich, anziehen kann ich diese nicht. Die anderen drei Trachten, die im Schrank hängen, sind mir komplett zu klein. Aber ich freue mich auch, dass so vieles noch da ist. Bisher habe ich die Tracht nur enmal in der Öffentlichkeit getragen; da war im Dorf Umzug und da hatte ich meinen Jüngsten im Leiterwagen hinter mir dabei. Aber deine Tochter kann ich verstehen, so ein Kleid/Tracht/Dirndl macht etwa mit einem, man bewegt sich anders und fühlt sich anders: festlicher eben.
      Liebe Grüße
      Ines

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      1. made with Blümchenm

        Liebe Ines, dazu fällt mir noch ein: Ich habe ein wunderschönes Wollbrokat-Dirndl von meiner Mutter bekommen, bei dessen Oberteil sie zwei passende Stoffstreifen in die Seitennähte eingesetzt hatte, als ihr das Dirndl zu eng geworden war. Zu meiner Hochzeit habe ich das Dirndl getragen und dafür die Stoffstreifen wieder entfernt. Jetzt werde ich sie wahrscheinlich bald wieder einsetzen müssen 😉 Was ich sagen will: Vielleicht gibt es die Möglichkeit, die Tracht etwas zu erweitern, damit du sie tragen kannst ohne vor Atemnot umzukippen? Nur so ne Idee. lg, Gabi

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  5. griselda

    Vielen Dank für deinen hervorragend recherchierten Bericht. Du hast Theorie und Praxis so unterhaltsam gemischt- es war ein Vergnügen das zu lesen.
    Vor allem das Innenleben deiner Haube hat mich überrascht, die Verstärkung mittels Raffung ist so clever! Die langen Bänder sind unerwartet unpraktisch- da muss man in der Kirche immer aufpassen ob man nicht draufsitzt. Aber sie machen natürlich viel her, insofern wird die Eitelkeit auch ohne Farbe ganz gut bedient.

    (Meine Großmutter trägt auf ihnem Hochzeitsbild übrigens eine Art Zylinder zum schwarzen Brautkleid, aber das war in Schlesien. Sie war auch evangelisch, aber da unterscheiden sich wahrscheinlich die Regionen.)

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    1. naehzimmerplaudereien Autor

      Die Haube habe ich innen noch mit Decovil verstärkt (also absolut nicht historisch). Im Original ist hinten eine Art Pappe dazwischengeklemmt. Wenn ich die Bändelhaube aufhabe, setze ich mich, wie du richtig vermutest, am liebsten gar nicht: zu unpraktisch. und da am Original schon Teile der Bändel fehlen, bin ich schon vorsichtig.

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  6. Gerlinde

    Iiijaa, Tracht, Gebraeuche, Baustile usw. der Heimat; sogar ich Wahl-Australier bin mit div.’s ‚Spezial-Buechern‘ ausgewandert:
    – Die Tracht in Niederbayern (Gaeuboden, unters Rott- und Vilstal
    – Die Tracht im Bayerischen- ud Boehmerwald
    – Bauernwerk in den Bergen
    – Bauernhaeuser in Niederbayern

    … Koch- und ‚Sprach-Buecher‘ noch gar nicht dazu gezaehlt 😉
    … und just gestern bekam ich einen Anschiss vom Gatten, als wir hier u/restl. Buecher nach einem groesseren Umzug auskramten und ich dann in Einem vor 30 Jahren ‚erste Runde Australien‘ erkaempftem Buch versumpfte: „Handy Farm and Home Devices and how to make them“, welches eigentlich UEBERALL f. laendl. Regionen passt.

    Ich gratuliere Dir zu Deiner gelungenen Arbeit mit der Haube und herzl. Dank f. den Lehrgang!
    … und ja, auch ich muss gestehen, dass bei aller, aehem, ‚Romantik‘ (= mit Manchem etwas ‚hinterher‘ 😉 ) des Landes mir Baender der von Dir beschriebenen Art offiziell kaeuflich auch noch nicht ueber den Weg gelaufen sind.

    LG, Gerlinde

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    1. naehzimmerplaudereien Autor

      Danke – Antwort aus Australien, das hatte ich noch nie! Das ist was ganz besonderes.
      Ich kann mir gut vorstellen, dass man „in der Ferne“ diese Rückbesinnung auf die Heimat braucht, ohne alles zu hoch zu halten. Liebe Grüße nach Australien
      Ines

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  7. Suschna

    Du kannst dir sicher denken, wie toll ich das hier jetzt alles finde. Allein die Vorstellung, dass die Kleidung noch da in deinem Schrank ist, dazu dass Original-Treppenhaus, deine Recherchen dazu, der Nachbau – einfach nur wunderbar. Hoffentlich können die Vorfahren das jetzt sehen – und freuen sich, dass die Gechichte nicht vergessen ist. Tausend Dank für alles!

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    1. naehzimmerplaudereien Autor

      Danke für deine Worte! So gern ich im Hier und Jetzt lebe, so gern lebe ich doch in einem alten Haus (allerdings neu renoviert, gewisse Dinge haben wir aber drin gelassen – so die Haustür) und habe für die Recherchen auch die alte Familienbibel hervorgeholt. Dieses Zurückblicken darf von Zeit zu Zeit sein, mir bringt das Ruhe. Unerwartet war, wie sich meine Bewegungen und die Körperhaltung veränderten, als ich die Tracht angezogen habe. Da „funktionieren“ die modernen schnellen Bewegungen nicht mehr.
      Liebe Grüße
      Ines

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  8. Bele

    Danke für diesen wunderbaren theoretischen und praktischen Ausflug in deine weibliche Familiengeschichte. Schätze dich glücklich, dass dir das möglich ist. Meine Sippen wurden nach dem 2. Weltkrieg entwurzelt und verloren Häuser, Höfe, Heimat und alle Realien; das macht etwas mit Familien (ein Aspekt, der mich angesichts der Lage der vielen Menschen, die momentan auf der Flucht sind, sehr umtreibt). Umso mehr freue ich mich an anderen Chroniken und dass die greifbare Geschichte bis heute geschätzt und damit gelebt wird.
    Was die Materialien und auch Verarbeitungstechniken angeht, sind in Süddeutschland die regionalen Trachtenberatungsstellen eine sehr gute Anlaufstelle für Informationen. Vielleicht wissen die eine Bezugsadresse für die Bänder?
    LG, Bele

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    1. naehzimmerplaudereien Autor

      Danke. Ja, zu wissen, wo man her kommt und das auch „begreifen“ zu können, ist ein wertvoller Schatz, wenn manches auch eine Bürde sein kann…
      Danke für den Tipp mit den Trachtenberatungsstellen. Da forsche ich mich mal durch, auf den ersten Blick scheinen sie nur für die bayrischen Landstriche „zuständig“ zu sein.
      Liebe Grüße
      Ines

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  9. facileetbeaugusta

    Die Haube finde ich einfach nur faszinierend. Mir gefallen diese traditionellen Kopfbeckungen sehr. Da steckt eine Menge Handarbeit dahinter. Die langen Bänder erinnen mich an die Trachten aus Siebenbürgen.
    Liebe Grüße
    Gusta

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  10. Sabine

    Ich bin sehr beeindruckt: tolle Geschichte, tolle Fotos in einer wunderbar passenden Umgebung!
    Danke, dass Du Dir so viel Mühe gemacht hast. Der Beitrag ist eine kleine Kostbarkeit.
    Liebe Grüße von Dabine

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  11. abbey

    Hallo, Dein Beitrag hat mir sent gut gefallen. Es ist toll noch solche Erbstuecke zu haben. Meine Familie stammt seit der Zeit meiner Grosseltern aus der Grosstadt Berlin und so sind wenige Dinge erhalten geblieben, obwohl ich mich gluecklich schaetze viel Tischleinen von meiner Grossmutter zu haben. Als Historikerin bin ich doch an solch kulturellen Inormationen interessiert.
    Herzliche Gruesse aus Kanada. Abbey

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